Raj Krishnan, Produktmanager bei Google, stellte heute im Google Produkt Kompass die neue Funktion “Google Instant Preview” (zu deutsch: Google Vorschau) vor. Dabei werden bereits während der Eingabe von Suchbegriffen in das Suchfeld Snapshots von den Zielwebseiten der Suchmaschinenresultate bereitgestellt und sogar mit Informationen angereichert. So wird zum Beispiel der Bereich besonders deutlich hervorgehoben, der für die Suche eine besondere Relevanz darstellt.
Die Funktion Google Instant Preview ist derzeit über die URL http://www.google.de/webhp?esrch=instantpreviews erreichbar und kann auch ohne Anmeldung mit einem Google Konto genutzt werden. Nach einer Sucheingabe sieht das Resultat erst einmal recht unspektakulär aus. Hinter den Suchergebnissen ist lediglich eine kleine Grafik in Form einer Lupe hinzugekommen. Sobald man jedoch zum ersten Mal auf eine Lupe klickt, erhält man einen Snapshot der jeweiligen Zielseite, sobald man mit der Maus über ein Resultat fährt:
Bei einigen Suchmaschinenergebnissen wird zusätzlich zum Snapshot der textuelle Bereich mit dem entsprechenden Bezug zur Sucheingabe hervorgehoben.
Bereits während der Erstellung dieses Artikels ist mir aufgefallen, dass Google den “Test” für die Google Instant Preview Funktion teilweise wieder beendet hat:

Was ist mit den Adwords?
Ein Schelm, wer Böses denkt: Betrachtet man die Google Vorschau, freut (oder ärgert) man sich zuerst einmal über die flächenfüllenden Snapshots. Doch bei einer genauen Betrachtung fällt auf, dass eigentlich fast nur noch die Adwords-Anzeigenschaltungen im oberen Bereich sichtbar sind. Das sind normalerweise Platz 1 bis 3, die teuersten Werbeplätze – vor allem bei stark umkämpften Suchbegriffen. Adwords-Schaltungen auf den Plätzen 4 bis 11 (manchmal auch 2 bis 9) werden durch die Google Instant Preview Funktion nahezu komplett verdeckt.
Sollte diese Positionierung im Live-Betrieb beibehalten werden, müssen Onlinemarketing-Manager vermutlich über eine SEA-Neubudgetierung nachdenken: Wer bisher mit Platz 4+ noch Besucher gewinnen konnte, wird es mit der Einführung der Google Vorschau vermutlich schwerer haben.
Übrigens: Für Google Adwords gibt es keine Vorschau-Funktion. Warum eigentlich nicht? ;-)
Jedes Suchergebnis wird zur klassischen “Single Landing Page”
Der Suchprozess bisher (falls man seit der Einführung von Google Instant überhaupt von “bisher” sprechen kann) sah in etwa so aus:
- Eingabe von Suchbegriffen in das Suchfeld
- “Warten” auf das Resultat / eine Auswahl von Ergebnissen wird in Echtzeit angezeigt
- Auswahl eines Links auf Basis des Titels und / oder der Beschreibung des jeweiligen Suchergebnisses
- Rückkehr zur Ergebnisliste, falls die Zielwebseite nicht den Erwartungen entspricht
- Auswahl eines neuen Links oder Änderung der Sucheingabe
Die Entscheidung des Suchenden für ein Ergebnis hing also in erster Linie von einer guten Wahl des Title-Tags und der Meta-Description ab. Mit der Google Vorschau kommt ein neuer und sehr einflussreicher Faktor dazu: Der Auswahlprozess (“ich werde diesen Link jetzt anklicken”) erweitert sich um die Chance, durch eine geschickte visuelle Präsentation des Snapshots das Klickverhalten des Suchmaschinenbenutzers zu beeinflussen.
Aus meiner Sicht handelt es sich bei dieser Funktion um eine geniale Chance, um Konversionsprozesse zu verbessern. Normalerweise findet ein derartiger Darstellungsprozess eher im Rahmen kostenintensiver SEA-Kampagnen statt: Beim Design des “Information Scent” legen gute Architekten einen hohen Wert darauf, dass Internetbenutzer im Rahmen des Lösungsprozesses eine möglichst homogene (Angebots-)Präsentation zu Gesicht bekommen. Je besser ein Werbemittel optisch und inhaltlich auf die Zielseite ausgerichtet ist, umso einfacher lassen sich Konversionen erzeugen.
Dieser Umstand lässt sich mit der Google Instant Preview Funktion relativ gut nutzen:
- Wenn die Überschrift auf der Zielseite gut lesbar ist, kann der Suchmaschinenbenutzer sofort erkennen, um was es auf der Seite geht
- Optisch ansprechende und aufgeräumte Seiten laden eher zu einem Besuch ein
- Ein Interaktionselement (Schaltfläche, Formular, …) oder eine groß geschriebene Telefonnummer lassen schnell erkennen, dass hier eine Handlung möglich ist
Arbeitsintensive, geniale Chance für das Onlinemarketing
Allerdings hat diese Chance auch eine grundlegende Auswirkung auf viele Teildisziplinen im Onlinemarketing:
- Die Vermittlung des Angebot-Nutzen für den Kunden rückt in den Vordergrund
- Anwendungserlebnis [L] für den Rezipienten, Lösungskompetenz und Alleinstellungsmerkmal müssen präziser und kompakter formuliert und dargestellt werden
- Bereits der erste optisch-inhaltliche Eindruck des Snapshots muss sich von den Mitbewerbern abheben
- Gut gestaltete “Zielseiten” erfordern in der Regel deutlich höhere Investition.
Vor allem den letzten Punkt möchte ich an einem Beispiel verdeutlichen. Hier eine Suchabfrage über einen Suchbegriff aus dem Finanzbereich und die daraus resultierenden Vorschau-Ergebnisse:

Frage: Welche der Zielseiten würden Sie auswählen? Weshalb?
Noch ein Beispiel, diesmal aus der Touristik. Hier handelt es sich um einen seo-technisch ordentlich umkämpften Bereich. Für die Anbieter geht es (zu) oft um die Vermarktung von margenschwachen Standard-Reisen, für den Kunden jedoch um einen hochemotionalen Markt. Wir suchen zum Beispiel ein Ferienhaus in Frankreich, Eygalières (ist eine schöne Ecke). Welche Zielseite würden Sie spontan anklicken?
Meiner Meinung nach ist dieses Beispiel sehr gut für die Verdeutlichung geeignet, welches Potential in der Google Vorschau liegt.
Was passiert mit Landingpage Tests?
Was passiert mit der Vorschau im Falle eines A/B- oder multivariaten Tests der Zielseite?
Tja, eine gute Frage – ich weiss es (noch) nicht genau. Derzeit sieht es so aus, als ob Google nur eine Variante speichert und diese auch in der Vorschau speichert. Das kann, je nach Umfang der Veränderung, natürlich verwirrend auf den Websitebesucher wirken. Sobald ich hierzu neue Erkenntnisse habe, aktualisiere ich diesen Artikel.
Betrachtung der Auswirkung
Meiner Meinung stellt die Google Instant Preview Funktion eine deutlich größere Auswirkung auf die Onlinemarketing-Strategie von Unternehmen dar, als zum Beispiel die Einführung von Google Instant (welche dagegen recht pimpfig aussieht ;-) …). Diese eigentlich simple Veränderung eines Suchwerkzeugs wirkt sich immerhin auf die wichtigsten Disziplinen aus:
- (Emotionale) Ansprache von Kunden (Berührt mich das, was ich sehe?)
- Angebotsdefinition und -präsentation (Um was geht es hier? Löst das mein Problem)
- Konversionsprozess (Integration der Vorschau als konversionssteigerndes Element)
- Mitbewerberanalyse (Wie hebe ich mich optisch-inhaltlich bereits in der Vorschau ab?)
- Allgemeine Design-Aspekte (Anpassung von CI, Layout, textuelle und grafische Elemente)
- Usability (Erfasst mein Interessent bereits in der Vorschau verständlich den Nutzen meines Angebots? Wird er die Nutzung meiner Website als angenehm empfinden, weil sie einen gut strukturierten Eindruck vermittelt?)
- Budgetierung, Bereich “SEO” (Bedingt durch die gängigen Bildschirmauflösungen muss eine 3+ statt 10+ Positionierung angestrebt werden [L])
- Budgetierung, Bereich “SEA” (durch die verdeckten Adwords-Elemente am rechten Rand müssen ggf. Werbebudgets erhöht werden)
- …
Zusammenfassend empfinde ich diesen Schritt als guten Weg zu besseren Zielseiten. Und Google verdient nebenher halt ein kleines bisschen mehr ;-)
Was halten Sie von der neuen Google Vorschau?
Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag und freue mich über Ihre Meinung zu dem Thema,
Ihr Karl Kratz
Weiterführende Links:
- Google Produktkompass:
http://google-produkt-kompass.blogspot.com/ - Google Instant Preview URL:
http://www.google.de/webhp?esrch=instantpreviews - Konversion:
http://de.wikipedia.org/wiki/Konversion_(Marketing) - Information Scent:
http://en.wikipedia.org/wiki/Information_foraging#Information_scent - Anwendungserlebnis:
http://de.wikipedia.org/wiki/User_Experience - Google Instant Suche und Bildschirmauflösungen:
http://www.karlkratz.de/onlinemarketing-blog/google-instant-suche/






Wenn die Instant Previews weiter durch Google weiter angewenden sein sollten, muss man wohl mehr an Grafik denken und Tittel (Keyword) der Seite mit großen Buchstaben schreiben.
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Habe mich jetzt zwar noch nicht intensiver damit beschäftigt – was mir aber schon aufgefallen ist, dass mich das Fenster oft ziemlich nervt wenn es einfach aufspringt wenn ich mit der Maus drüber fahre … oje oje so habe ich überhaupt erst davon erfahren :D
Ich denke aber auch, dass es einige tolle Möglichkeiten bietet die du im Artikel angesprochen hast. Zu deiner Frage: ich würde auf das rechte Preview klicken, weil ich im Linken einfach gar nichts erkennen kann.
Hoffe nur, dass dadurch die “Splashscreens” bzw. “Introseiten” keinen Aufwind bekommen … werd mir das die Tage mal genauer ansehen :)
Habe mir das gerade noch mal im Detail angeschaut, nachdem Andrew Shotland (localseoguide.com) ein wenig was zu Preview gepostet hat.
Es scheint i.d.T. so zu sein, dass die orange umrandeten Snippets in den Previews zumeist dann angezeigt werden, wenn keine Meta-Description vorhanden ist, oder diese einfach zu nichtssagend und zu knapp ist, als dass diese als Snippet Sinn machen würde (siehe auch ganz oben der Kommentar von Markus).
Stellt sich nun die Frage: Sollte man künftig auf die Meta-Description verzichten und hoffen, dass der Content auf der Seite relevant genug für etliche Suchanfragen ist, damit möglichst keyword-relevante, orange umrandete Snippets angezeigt werden, die dazu noch attraktiv auf den Nutzer wirken?
Dahingehend könnte sogar übler Content-Spam auf denen einzelnen Seiten wieder ein wenig Konjunktur erhalten, wenn man sich dabei geschickt anstellt und den Aspekt der “Page Segmentation” berücksichtigt…
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Schöner Artikel Karl! Das adWords-Problem sehe ich etwas anders…. Da der user ja zunächst klicken muss, im den preview zu sehen, hat er ja dennoch im ersten Moment auch die Möglichkeit die ADS auf Position 4-11 zu klicken
Ein sehr guter, ausführlicher und fundierter Artikel, mit einigen Gesichtspunkten die ich so noch gar nicht auf dem Schirm hatte. Es ist zu befürchten, das dann zukünftig alle Webseiten leicht bekleidete Frauen auf der Startseite haben, um Besucher zu ködern. Weil aber die Funktion immer wieder neu aktiviert werden muss, wird es sich nur bei versierten Internetnutzern durchsetzen.
Danke für den tollen Artikel!
Manche Seiten werden noch mit einigen Problemen kämpfen müssen, wenn die Clickrate vom Screenshot abhängig sein wird. So löscht Google aus der Vorschau alle Bilder, die irgendwie nach Banner aussehen können. Einerseits ist es gut so, andererseits werden teilweise auch Logos nicht mehr angezeigt, was dann nicht mehr so gut ist.
Hallo,
das Ganze ist nicht mehr als eine nette Spielerei. Da es bei jeder neuen Suche erst wieder aktiviert werden muss, wird es kaum jemand nutzen…
Grüße
Gretus
Pingback: Googles Instant Previews zeigt Vorschaubilder in Suchergebnissen | GadgetCloud
Google ist an sich eine Gute Sache und macht meistens mit neuen Techniken in der Suche alles richtig. Aber ich weiß nicht, wie sich dieses Feature auf meinen Webseiten-Traffic auswirken wird. Das würde mich echt gerne interessieren.
Pingback: Auswirkungen von Instant Preview – SEO.at
Danke für den Artikel! Wollte mich auch heute Abend dransetzen und selbst drüber schreiben, aber bei DER Ausführlichkeit erübrigt sich das ja dann. ;-)
In der Tat: Für Affiliates ist das ärgerlich, aber man kann zumindest das Problem mit den nicht angezeigten Bannern z.Zt. noch umgehen, indem man sie auf den eigenen Server kopiert.
Moin Karl
danke für den Artikel, dass Thema Layout wird dem Einen oder Anderem noch ein wenig Kopfschmerzen bereiten. Schaut man sich so einige Affiliate im Bildungsbereich an, könnten die Screenshots böse Einschnitte im Traffic bedeuten … Vorausgesetzt der Nutzer akzeptiert bzw bemerkt die Screenshots überhaupt^^
Grüße
Lars
Sehr guter Artikel. Das mit Adwords wird in jedem Fall noch interessant. Ich denke nicht, dass Google die Preview fest launchen wird. Nervt viele Anwender. Was man damit machen kann hat Crilla in seinem Blog schon mal ausprobiert. Wirklich interessant. Sollte man sich mal überlegen: Cloaking für den Screenshot! http://www.tenpixel.de/blog/2010/google-instant-previews-cloaking/
Wenn sich Instant Previews wirklich durchsetzen müssen sicherlich einige umdenken, da der User dann sicher auch nach Aussehen geht.
Wie man das ganze aber auch ausnutzen kann sieht man bei mir im Blog ;)
http://www.tenpixel.de/blog/2010/google-instant-previews-cloaking/
Pingback: Und weiter geht es: Google Instant Preview gestartet. Mit der Folge, dass - Consultdomain.de - das Domainforum
Guten Morgen Karl,
danke für den aktuellen UND ausführlichen Artikel. Ich habe mir gerade recht viele Seiten angeschaut und meines Erachtens geht das jetzt offensichtliche Problem für viele (nicht Shop-) Seiten noch etwas früher als von Dir beschrieben los: Logo nicht sichtbar, selbst H1-Headline nicht lesbar, keine Seiten-Gliederung erkennbar (Subheads, Bilder), Seiten zu schmal (“Platz verschenkt”) und speziell Blogs, die auf der Startseite “Artikel stapeln”, sehen oft alt aus. Und sonst: Wenn das Snippet aus der Seite bzw. von Google kommt (weil keine eigene oder unzulängliche Meta-Description) kann das einen zusätzlichen Hingucker bedeuten, verdeckt aber evtl. andere wichtige Elemente auf der Seite.
VG, Markus