Wer erinnert sich noch an Google Wave? Okay, das Projekt wurde eingestellt, weil die Wellen nicht ganz so hoch geschlagen haben. Aber was zum Teufel ist denn jetzt dieses Google+ Ripples? Jetzt kleine Wellen?
In einem Satz: Google+ Ripples ist ein völlig unscheinbares Analyse-Werkzeug, um die Verbreitung von Beiträgen im sozialen Netzwerk Google+ visuell ansprechend darzustellen.
Das klingt langweilig. Wer aber auch nur ein paar Minuten über die Möglichkeiten von Google+ Ripples nachdenkt, darf kurz mal durchdrehen – angesichts der genialen Möglichkeiten, die dieses Werkzeug für uns bereitstellt.
55 Sekunden für einen ersten Einblick in Google+ Ripples
Das folgende Video vermittelt in weniger als einer Minute die Funktionsweise von Google+ Ripples:
Wie aktiviere ich Google Ripples?
Aktuell steht Google Ripples nur Teilnehmern im englischsprachigen Raum zur Verfügung. Das ist allerdings kein Hindernis: Über die Google+ Einstellungen kann die Sprache einfach umgestellt werden:

Über die kleine, runde Schaltfläche rechts oben an Beiträgen kann ein Menü aktiviert werden und Google Ripples für den jeweiligen Beitrag aufgerufen werden:

Wichtiger Hinweis:
Google Plus Ripples lassen sich (logischerweise) nur für öffentlich geteilte Beiträge analysieren. Aus meiner Sicht ein Manko (ich selbst poste bisher zum Beispiel nur innerhalb meiner Circles), aber ich bin mir sicher, dass Google hier relativ schnell aktiv werden wird.
ReTweets, Likes, Shares: Eindimensionaler Kinderkram
Was würde ich dafür geben, um zu erfahren welche Verbreitungswege zum Beispiel das Ebook “Landing Page SEO” im Lauf der letzten 12 Monate genommen hat? Ein Blick auf den ReTweet-Button sagt mir zwar, dass das Ebook fleißig geshared wurde:
Doch was sagt mir diese Zahl wirklich? Eine Google+ Ripples Darstellung sieht dagegen deutlich aufschlussreicher aus. Andre Alpar hat einen schönen Test gestartet, um die Verbreitung eines Google Plus Beitrags zu visualisieren:
Seit Google+ Ripples stelle ich mir viele neue Fragen:
- Bei welchen Personen erzeugte das Ebook eine derartige Resonanz, dass diese einen nennenswerten Anteil an der Verbreitung übernehmen?
- Kenne ich diese Personen? Und wenn nicht: Weshalb nicht? (Vorweggenommene Antwort: Weil z.B. Topsy keine tiefgehenden und komplexen Analysen ermöglicht)
- Sollte ich diese Personen zu meinem Netzwerk hinzufügen, weil diese thematisch relevante, besonders kontroverse oder ergänzende Themengebiete abdecken?
- Will ich neue Artikel “öffentlich” in Google Plus posten, damit diese via Ripples analysiert werden können?
- Halte ich mit einem Twitter- und Facebook-Button Menschen davon ab, den Beitrag via Google+ zu teilen?
Wäre ich Andre, würde ich zum Beispiel Borris Häring genauer unter die Lupe nehmen: Borris nimmt in diesem Fall eine regelrechte Hub-Funktion ein. Das kann einer “Ripple” (= kleine Welle) wiederum einen echten Boost verpassen und unter Umständen zur Überwindung der kritischen Masse für eine “echte, große” Welle bis hin zum Hype führen.

Mitbewerberanalyse leicht gemacht
“Stellt euch vor, es ist digitaler Krieg, und Google gibt jedem dieselben Waffen in die Hand.” Wie analysiert man einen erfolgreichen Beitrag von einem Mitbewerber? In der Vergangenheit starrte man ungläubig die Zahl der “Shares, Likes und ReTweets” an.

In Zukunft analysiert man mit Google Ripples den Weg erfolgreicher Beiträge, führt ein akribisches Social-Engineering lohnenswerter Hub-Kontakte durch und versucht auf diese Weise, digitale Macht im sozialen Netzwerk zu erlangen. Genial. Leider und zum Glück für alle Beteiligten.
Werbung? Werbung! WERBUNG!!!
Auch für Googles Bestreben “Geld zu verdienen” ist Google+ Ripples ein interessantes Werkzeug: Mit ein paar einfachen Handgriffen wird sichtbar, welche Personen als “Influencer” für werbewirksame Themen fungieren.

Besser lässt sich Autentizität nicht nutzen:
Statt Werbung bei Endkontakten einzublenden, blendet man dieselbe Werbung bei Beiträgen von “Influencern” ein und nutzt deren Authentizität, um Botschaften vertrauenswürdiger zu positionieren. Das erhöht rein mathematisch die Konversionsrate und wirft ein herrliches Bild auf das gesamte Werbesystem. Perfekt, sobald Google das Werbenetzwerk innerhalb von Google+ freischaltet, geht die Post ab :-)
Ist Google+ Ripples das Google-Analytics für den Social Media Bereich?
Naja, nicht ganz. Dafür müsste Google Ripples in der Lage sein, Postings innerhalb von Circles zu analysieren, Klick-Informationen bereitstellen etc. Aber die Analysemöglichkeiten sind heute schon umwerfend.
Jetzt stellt sich nur noch die Frage, wann Facebook, Twitter & Co. nachziehen. Ach, das “& Co.” lasse ich mal weg: XING und LinkedIn sind wohl außen vor …
Noch einen schönen Tag,
Karl Kratz
Weiterführende Links:
- Erläuterung von Google Wave bei Wikipedia:
http://de.wikipedia.org/wiki/Google_Wave - Erläuterung von Google+ zu Google+ Ripples:
http://www.google.com/support/plus/bin/answer.py?hl=en&answer=1713320&p=about_ripples






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Spannend! Ich wusste bis gerade noch gar nicht, dass es das Tool gibt, aber die Möglichkeiten sind erstaunlich. Wie du schon sagtest, wäre es auch für Tweets und Shares interessant zu wissen, welche Kreise sie ziehen.
Wer die Analyse nutzt, sollte sich wahrscheinlich besser, nicht nur auf seine Kreise beziehen. Obwohl auch die Analyse 1. in den eigenen Kreisen und 2. Öffentlich aufschlussreich sein könnte.
Ich werds auf jeden Fall mal ausprobieren, bin jetzt nämlich richtig neugierig geworden ;)
Google Plus scheint, aus meiner Sicht ohnehin noch nicht so weit zu sein um für Unternehmen von signifikantem Interesse zu sein.
Sehr cooles und nützliches Tool. Ich habe mich gerade bloß gefragt, ob es bei den Werbeeinblendungen nicht eventuell Probleme mit den Herren vom Datenschutz geben könnte. Die springen ja sowieso ständig wegen jedem bisschen auf die Barrikaden. Wenn man nun die Möglichkeit hat, die Werbung personenspezifisch zu positionieren und das Ganze auch noch wunderbar tracken kann, dann werden diese Probleme wohl kaum besser.
Trotz allem sind das natürlich geniale Ansätze, wie man seine Conversionrate maximieren kann. Aber unglaublich spannend ist es natürlich auch. Für Statistik-Freaks ein Paradies. :-)
Viele Grüße